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Montag, 1. März 2010
Liebe ist für alle da
Tristan steht unschlüssig auf dem S-Bahnbahnsteig und ist mit sich selbst im Zwist in welche Richtung er fahren soll, nach Westberlin zum Flohmarkt am Fehrbelliner Platz oder nach Pernzlauer Berg in den Mauerpark. Während seines innerlichen Disputs, beim Abwägen von Argumenten für den einen Ort und Gegenargumenten für den anderen, beim Kalkulieren von Tabellen und anderen Hilfsmitteln, die die Findung einer Lösung erleichtern sollen, richtet sich seine Aufmerksamkeit auf einen Mann, der auf dem Boden hockt. Mit seichten und liebvollen Bewegungen streichelt dieser eine vor ihm liegende Milchschnitte und seine Augen, vor denen leichtfettendes Haar hängt, sind mit solch inbrünstiger Sinnlichkeit und Geborgenheit gefüllt für das Konfekt aus Milchcreme und Schokoladenboden, dass es einen unweigerlich rührt. Fasziniert von diesem Bild, steigt Tristan in die nächste Bahn und merkt erst Minuten später, dass er sich in Bewegung befindet.
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Sonntag, 28. Februar 2010
Rückblick
Verträumt schaut Tristan in den rot-orangen Sonnenuntergang und erinnert sich an seine Kindheit, in der er noch dachte, dass die einzige Arbeit die Fabriken zu verrichten hätten, wäre Wolken zu produzieren und in den Himmel zu entlassen. Dies war auch die Zeit, in der sich sicher war irgendwann einmal mit Seifenblasen jonglieren zu können.
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Dienstag, 23. Februar 2010
Als Second-hand noch nicht Vintage gewesen ist
Ach du Scheiße, denkt Tristan, als er vor einem unendlichen Meer steht, das sich kompromisslos seinen Weg durch den Flohmarkt im Mauerpark gebahnt hat. Die Menschen drängen sich noch dichter aneinander als sonst und sowieso scheint der gesamte Prenzlauer Berg und jeder, der sich dazu zählt, auf diesen paar Quadratmetern versammelt zu sein, um die ersten Sonnenstrahlen seit Monaten mit einer kleinen Shoppingtour nach alten Jacken, Hosen und Kitsch zu kombinieren. Auch Tristan ist Teil der großen Masse und hat auf dem gegenüberliegenden Stand zwischen Nietengürteln und T-Shirts von Sonic Youth und The Smiths eine Lederjacke entdeckt. Nur leider ist zwischen dem Objekt der Begierde und ihm eben dieser See, aus geschmolzenem Eis und verseuchter Mauerparkerde, die den Winter genutzt hat sich von Holzkohlresten und umgekippten Bier zu erholen. Wie nun hinübergelangen? Mooses ist er nicht, und hinüberspringen liegt außerhalb seiner körperlichen Möglichkeiten, zwar hatte er im Kindergarten Ballettunterricht, aber ob sich diese sportliche Ertüchtigung nun auszahlt ist fraglich. Grübelt entdeckt er ein paar Holzbalken, die als improvisierte Brücken von einem Ufer zum anderen Ufer gelegt worden und balanciert grazil über die wankenden Bretter, immerhin zahlen sich jetzt seine Tanzkünste aus.
Selbstsicher und fachmännisch fragt Tristan nach dem Preis der alten Jacke, die augenscheinlich schon bessere Zeiten gesehen hatte und fällt in ein Loch ohne Boden, als die sympathische Verkäufern das Geheimnis lüftet. Resigniert winkt er ab und drückt und schuppst sich mit den Massen an den Verkaufsständen entlang und denkt, "das waren noch Zeiten, als Second-Hand noch nicht Vintage gewesen ist.
Selbstsicher und fachmännisch fragt Tristan nach dem Preis der alten Jacke, die augenscheinlich schon bessere Zeiten gesehen hatte und fällt in ein Loch ohne Boden, als die sympathische Verkäufern das Geheimnis lüftet. Resigniert winkt er ab und drückt und schuppst sich mit den Massen an den Verkaufsständen entlang und denkt, "das waren noch Zeiten, als Second-Hand noch nicht Vintage gewesen ist.
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